kleine Schriftgröße normale Schriftgröße große Schriftgröße

01.09.2026

Geistliches Wort

Anne WirthAnne Wirth

Unsere Pfarrerinnen und Pfarrer kommen hier im Wechsel zu Wort.

Nicht alles muss immer Sommer sein

Ich ertappe mich jedes Jahr dabei, dass ich dem Sommer nachtrauere. Ich mag das Licht, die langen Abende und das Gefühl von Weite. Wenn die ersten Blätter fallen, denke ich oft: Schade, schon wieder vorbei.

Vielleicht liegt darin etwas sehr Menschliches. Wir möchten festhalten, was schön ist. Die Bibel weiß allerdings nichts von einem Leben, das nur aus gelungenen Tagen besteht. Sie erzählt von Wüsten und Gärten, von Aufbrüchen und Abschieden, von Scheitern und Neuanfängen. Und immer wieder davon, dass Gottes Treue nicht an den guten Tagen endet.

Wenn ich im Herbst einen Baum betrachte, fasziniert mich seine Gelassenheit. Er verliert seine Blätter. Aber er verliert nicht sich selbst. Seine Kraft liegt verborgen – in den Wurzeln.

Vielleicht ist das ein Bild für den Glauben.

Ich merke, wie schwer mir das manchmal fällt. Ich plane gern, freue mich, wenn Dinge gelingen, und wünsche mir oft, dass sie so bleiben. Veränderungen verunsichern mich. Vielleicht schaue ich deshalb im Herbst so gerne auf die Bäume. Sie erinnern mich daran, dass Loslassen nicht das Gegenteil von Vertrauen ist.

Es gibt Zeiten, in denen sich unser Leben verändert. Gewissheiten geraten ins Wanken, Kräfte lassen nach, Menschen nehmen Abschied, oder Aufgaben, die uns lange geprägt haben, enden. Dann merken wir, worauf wir wirklich gegründet sind.

Paulus schreibt: „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus.“ (1. Korinther 3,11). Der Baum verliert im Herbst seine Blätter, aber nicht seine Wurzeln. Auch wir brauchen Wurzeln, die tiefer reichen als das, was sich verändert. Für mich ist Gott diese Wurzel.

Ich merke jedenfalls, dass mir das hilft. Nicht immer. Aber immer wieder. Vielleicht bedeutet Glaube genau das: nicht alles festhalten zu müssen.

Denn am Ende lebt unsere Hoffnung nicht davon, dass alles bleibt. Sie lebt davon, dass Gott bleibt.

Und vielleicht reicht dieser Gedanke ja schon für die kommenden Wochen.

Ihre Anne Wirth

TOP

© 2026 Ev. Gesamtkirchengemeinde Bad Nauheim und Ober-Mörlen  ·  Kontakt


Diese Webseite verwendet Cookies
Wir verwenden Cookies, um Inhalte, Funktionen und Anzeigen personalisieren zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Bitte treffen Sie Ihre Auswahl, um den Funktions-Umfang unserer Cookie-Technik zu bestimmen.