Unsere Pfarrerinnen und Pfarrer kommen hier im Wechsel zu Wort.
Während ich diesen Text schreibe, ist um mich herum noch alles grau. Der Winter hat noch alles im Griff. Auf meiner Fensterbank aber steht in einem kleinen Topf ein Primelchen und versprüht mit seinen pinken Blütenblättern Freude und Hoffnung. Hoffnung auf den Frühling. Eine Blüte nach der anderen bringt diese kleine Blume hervor. Im Gärnterfachjargon heißt das „blühwillig“. Blühwillig sein heißt, die nötigen Anlagen zum Blühen zu haben und die entsprechenden Bedingungen zu haben, um diese Anlagen entfalten zu können. Dazu gehören Licht, der richtige Standort, ein guter Boden, ein Umfeld, das guttut und die eigene Blühwilligkeit unterstützt, ein Platz in der Welt, der die nötigen Räume zur Entfaltung lässt. Und Wasser natürlich. Wenn das im richtigen Verhältnis steht, dann kann es losgehen mit dem Blühen.
Aus biblischer Sicht ist das Blühen können ein Geschenk Gottes. In Psalm 92 heißt es: Der Gerechte wird blühen wie ein Palmbaum, er wird wachsen wie eine Zeder. Und Paul Gerhardt dichtet: „Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben“ (EG 503,14). Wir haben die Fähigkeit zu blühen, weil Gott uns diese Fähigkeit schenkt. Ein bisschen Wollen gehört zur Blühfähigkeit natürlich auch dazu. Und es lohnt sich, immer mal wieder in sich hineinzuhören: Wie blühwillig bin ich heute? Und was brauche ich, um blühen zu wollen und zu können? Schatten oder einen ruhigen Platz in der Sonne? Bin ich lieber für mich oder mit einer kleinen Gruppe? Reichen meine Vorräte an Nährstoffen und Wasser?
Unsere Gesamtkirchengemeinde kann ich gut mit einem großen Garten vergleichen, der für die unterschiedlichsten Pflanzen Raum bietet. Schattige Plätzchen und Stellen mit viel Licht. Große und kleine Gruppen, die Gemeinschaft bieten und zum Blühen einladen. Angestammte Pflanzen und exotische Exemplare. Da ist viel zu entdecken und kennenzulernen. Es bieten sich viele Möglichkeiten, sich selbst auszuprobieren und einzubringen. Oder mal den angestammten Platz zu verlassen und sich an einem anderen Platz umzuschauen.
Gott hat uns in seiner Güte dazu bestimmt zu blühen. Wo immer dies geschieht, wird etwas sichtbar von der Schönheit und der Kraft Gottes. So soll es sein. Amen.