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01.12.2021

Geistliches Wort

Susanne Pieper, Bad Nauheim-KernstadtSusanne Pieper, Bad Nauheim-Kernstadt

Unsere Pfarrerinnen und Pfarrer kommen hier im Wechsel zu Wort. Somit können Sie sich als Leser aus unterschiedlichen Perspektiven der Kirchengemeinden in unserer Stadt und deren Ortsteilen anregen lassen.

Die Fensterläden des Lebens öffnen

Am Morgen die Fensterläden des Hauses aufstoßen und sie feststellen – das tue ich sehr gern. Ich sage „Hallo“ zum neuen Morgen und lasse das Licht hinein. Der Tag ist noch jung.  Was wird er mir bringen?

Die Adventszeit ist für mich etwas ganz Ähnliches. Advent bedeutet, das Licht ins Leben lassen.  Dem Licht im Laufe mehrerer Wochen einen immer größeren Raum geben. Die Kerzen des Adventskranzes entzünden oder sich auch am Licht des Wichernkranzes freuen, der in der Wilhelmskirche der Bad Nauheimer Kirchengemeinde leuchtet. Das tut gut. Es macht die Seele weit und es hilft, stärker zur Ruhe zu kommen – angesichts aller Hektik, die die Vorweihnachtszeit immer wieder mit sich bringt.

Unser Alltag ist von vielen Lichtquellen umgeben und erhellt. Wohltuend sind zum Beispiel die Leselampen und das indirekte Licht in unseren Wohnzimmern, die Leuchten an unseren Schreibtischen und Computern oder auch die Tageslichtlampen, die gegen depressive Verstimmungen helfen. Alles kann aber auch grell ausgeleuchtet werden, wenn Menschen es wollen. Manchmal in einem gnadenlosen Licht. Im Blick auf unsere Städte spricht man sogar von Lichtverschmutzung, die es verhindert, nachts überhaupt noch den Kosmos, die Welt der Sterne, wahrzunehmen.

Dagegen reicht es manchmal schon, wenn eine einzige Kerze da ist. Sie macht den Raum heller und erwärmt das Innerste, erwärmt unser Herz. Zugleich ist ihr Licht auch sanft und verletzlich. Und genau darin liegt ihr Geheimnis: Wer sanft berührt ist, kann auch andere Menschen sanft berühren und ihnen achtsam begegnen. Die Adventszeit erinnert uns so an etwas Wesentliches: Ein Sinn des Lebens besteht genau darin, einander das Leben heller zu machen.

Wer verletzlich ist, wird empfänglich für den Gott, der sich in seinem Sohn selbst verletzbar gemacht hat und uns genau darin so nahegekommen ist. Und wer es sich zu Herzen nimmt, dass es aus der Dunkelheit heraus langsam heller wird, der kann ganz neu in sich selbst erfahren, was Hoffnung ist.

In der Zeit des Advents gehen wir auf das Licht zu. Es kommt zu uns und ist zu uns gekommen in Jesus Christus, dem Sohn Gottes, dem Kind von Bethlehem. Er ist und bleibt das Licht dieser oft dunklen, kalten Welt und will auch uns mit seinem Licht hell machen, will uns mit seiner Freude beglücken und erfüllen. So wie es der Prophet Jesaja gesagt hat: „Mache dich auf und leuchte, denn dein Licht kommt und der Glanz Gottes geht auf über dir.“

Ich wünsche Ihnen eine lichtvolle, frohe und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

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