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Auszüge Kriegstagebuch

aus dem Kriegstagebuch des Großvaters            (Barbara Wilhelmi)

5. August (1914)

Abfahrt vom Bahnhof 10.14. Die Bahnstrecke scharf bewacht. An allen Bahnhöfen begeisterte Kundgebungen, aber auch viele Tränen u. Jammer, Hurras und Spielen patriot. Lieder durch Musikkapellen und Schulkinder...

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13.Aug.

Ich bin abermals abkommandiert u.zwar zum Rekrutendienst. Heute früh bringt der Dampfer die Rekruten mit dem  Ausbildungspersonal durch den herrlichen Rheingau nach Bingen. Es ist eine herrliche Fahrt. Vor Rüdesheim passieren wir die neue im Bau begriffene Eisenbahnbrücke. Dann sind wir am Niederwald. „Deutschland, Deutschland über alles und Heil Dir im Siegerkranz“ schallt es begeistert als Gelübde zum Nationaldenkmal empor. Dann legt der Dampfer an und wir steigen aus.

Im Quartier habe ich wieder Glück Mit 8 Rekruten liegen wir in der Villa X, die Herrn Y. gehört, der in Buenos-Aires, Argentinien beheimatet ist. Besagter Herr ist vor den Kriegsunruhen geflüchtet und hat sein Haus als Lazarett umgerüstet.

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8.Okt.

Dasselbe wie zuvor. Die Nachricht wird verbreitet, daß Antwerpen gefallen sei. Wir wagen uns kaum, sich darüber zu freuen. Es wird viel gelogen. Wollte Gott, es wäre wahr, damit der grauenhafte Krieg zu Ende geht. Was soll aus uns werden, wenn wir hier einen Angriff machen sollen. Wir stehen in erster Linie gegen eine große Übermacht, zudem hat sich der Gegner überaus stark verschanzt. Unser Regiment hat überhaupt ungeheure Verluste gehabt. Mit 260 Mann zog die Komp.aus. Bei unserem Erscheinen zählte sie nur noch 64. Die Offiziere sind bis auf wenige gefallen. Daher fehlts an rechter Führung. Das Bataillon kann sich vorläufig nur verteidigen. Ein Angriff unsererseits, der vor 14 Tagen erfolgte, wurde abgeschlagen.

Zwischen uns und den Franzosen liegen die Toten noch haufenweise, die verwundet waren und sich nicht helfen konnten, mußten elend verschmachten.

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23.2.(1916)

Gott sei Dank, es wird Tag. Aber es gibt nichts Warmes. Die Franzosen dringen vor, werden aber leicht abgewiesen. Gegen 11 Uhr erhalte ich vom Komp.Führer den Auftrag, vorzugehen bis an den Waldrand und von dort aus das freie Feld vor uns zu beobachten. Ich nehme 6 Mann u.gehe vor. Unsere Artillerie schießt noch dauernd u.zwar ist es ein Geschütz, was fortwährend zu kurz schießt. Wir sind bereits zeimlich weit vorgedrungen, da höre ich eine Granate angesaust kommen, die wieder zu kurz geht. Ich schmeiße mich hin, aber das ist es schon Geschehen. Mein Bein liegt ganz verdreht am Boden, der Oberschenkel ist zertrümmert. Schnell packen mich meine Leute in die Zeltbahn und langsam geht’s zurück, nehme kurzen Abschied von der Kompanie. Welch langer, schmerzhafter Weg durch Waldgestrüpp über Hindernisse u. Gräben. In Flabas erster Verband. Dann mit dem Auto nach dem Feldlazarett in Brandeville. Eine schreckliche Fahrt auf ausgefahrenem Wege, das zerbrochene Bein fliegt manchmal ½ hoch in die Luft.

28.2.

Abtransport nach (Dun?) a.d. Maas.

29.2.

Verleih.des EK II

4.4.

Endlich, endlich mit dem Lazarettzug nach Deutschland

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