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21.07.2021

Andacht für heute

nach den Sommerferien wieder neu

Vollkasko

Vor etlichen Jahren hatte ich einen Hagelschaden an meinem Auto. Mir fiel das ehrlich gesagt gar nicht auf, aber dann wies meine Frau mich darauf hin. Zuerst ärgerte ich mich total über sie, obwohl sie ja nichts dafürkonnte – weil ich es bis dahin nicht zu bemerken brauchte. Dabei waren die unzähligen Dellen echt unübersehbar. Dann lernte ich, dass die Versicherung den Schaden übernimmt. Genau wie denjenigen, den ein Unbekannter auf einem Parkplatz meinem Auto beigebracht hatte. Die Prämie war dann höher, aber immerhin.

Wir leben in einer Vollkaskogesellschaft. Wir können uns versichern. Wir haben einen Anspruch auf Schadensausgleich. Ein anderer zahlt die Rechnung.  Im besten Fall. So waren wir es jedenfalls bisher gewohnt. Das alles ging mir jetzt irgendwann durch den Kopf, als ich die Bilder aus der Eifel im Fernsehen sah. Es gibt sogar eine Elementarschadenversicherung. Wohl dem der sie abgeschlossen hat, dachte ich, aber ob sie auch diesen Schaden abdeckt?

Ganz so einfach ist es also nicht. Nicht alle Schäden werden ausgeglichen. Vielleicht kommt es auch darauf an, wer laut oder geschickt genug den eigenen Anspruch anmeldet und das eigene Recht einklagt. Dann bleiben die auf der Strecke, die leiser sind, ihre Ellbogen weniger forsch einsetzen. Und diese immensen Schäden und seelischen Beschädigungen, mit denen wir jetzt konfrontiert sind als Gemeinschaft – die kann keine Versicherung abdecken.

Es begann mit der Pandemie: Masken tragen nicht nur für mich, sondern auch, um andere zu schützen. Jemand, der beim Fest zu seinem 70. keine Geschenke wünschte, sondern Spenden für die Corona-Hilfe unserer nordindischen Partnerdiözese. Und jetzt diese große Hilfsbereitschaft für die Not in der Eifel, Menschen, die dort anpacken und den Flutopfern zeigen, ihr seid nicht allein. Und so ähnlich ist es auch mit dem Klimawandel: auch selbst zu handeln hilft. Ärmel hochkrempeln.

Beispiele dafür, dass es eigentlich nur miteinander geht. Nur gemeinsam packen wir eine Flut, eine Pandemie, das Gegensteuern zum Klimawandel. Es bedeutet vielleicht immer wieder, auf den eigenen Vorteil zu verzichten. So könnte es gehen:  die Nächsten und Übernächsten zu sehen, die von der Pandemie Gefährdeten, die Benachteiligten in Indien, die Menschen in der Eifel so wie auch die, denen wir einmal unsere Erde überlassen werden. Vollkasko ist out.

Pfr. Rainer Böhm

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